Das Konzept in Auszügen
Der Tagesablauf exemplarisch
| 07:00 Uhr | Ankommen und Frühgruppe |
| 08:00 Uhr | Morgenkreis, gemeinsame Begrüßung und kurze Absprachen zum Tagesplan |
| 08:30 Uhr | gesundes Frühstück (Angebot aus der Küche) |
| 09:00 Uhr | Tätigkeit in Angebotsgruppen z.B. Kreativ-, Sauna-, Forschermaterial-, Freispiel-, Bewegungsangebote |
| 11:00 Uhr | Vorbereitung auf das Mittagessen, Nachbereitungen zur Angebots- oder Projektphase |
| 11:30 Uhr | gemeinsamer Mittagstisch (selbstbereitet in eigener Küche) |
| 12:30 Uhr | Mittagsschlaf, Ruhezeit, Entspannungsgeschichten, ruhige Beschäftigungen, Hörspiel |
| 14:00 Uhr | Bewegungsspiele, Liederrunde |
| 14:30 Uhr | Vesperzeit (Angebot Küche / alternativ Eltern) |
| 15:00 Uhr | Freispiel und Projektarbeiten |
| 17:00 Uhr | Ende der Kernöffnungszeit |
(Zusätzliche Betreuungszeiten bis max. 20.00 Uhr sind vereinbar als Angebot für Berufstätige im Schichtdienst, max. 45 h / Woche und 140 h / Monat)
Es werden Kernöffnungszeiten von 7.00 Uhr – 17.00 Uhr vorgehalten. Im Weiteren ist nach entsprechender Bedarfsermittlung eine Erweiterung im Abendbereich bis 20.00 Uhr möglich. Wir werden als soziales Dienstleistungsunternehmen den Betreuungsbedarfen entsprechend, ohne Sommerschließzeiten arbeiten.
Das reggianische Bild vom Kind
Ein kleines Kind braucht vor allem Verlässlichkeit, Geborgenheit, Sicherheit, um sich gesund zu entwickeln. Das ist bekannt und das wissen auch die Erzieher in Reggio Emilia.
• Was ist also so neu und anders an dem Bild, das diese Pädagogik vom Kind hat?
Bis in die 60er Jahre überwog die Vorstellung, dass ein Kind hilflos und zerbrechlich ist und Schutz braucht. Der Erwachsene muss es an die Hand nehmen. Das Kind ist ein leeres Gefäß (KRIEG, 2002), das der Erzieher formen und füllen kann. Demnach wird das Kind als passiv gesehen und soll geprägt werden. In dieser Anschauung wird das Kind aus der Perspektive des Erwachsenen gesehen, d. h. der Erwachsene ist der Bezugspunkt, das Kind soll durch seine Entwicklung die Fähigkeiten des Erwachsenen erwerben. Der Reggiopädagogik zufolge ist das eine „Defizitorientierung“ (ULLRICH & BROCKSCHNIEDER, 2003) – dem Kindsein wird kein eigener Wert zugeschrieben.
Die Reggianer sagen, dass in jedem Kind ein großes Potential steckt, das in der Regel nicht ausgeschöpft wird. Wenn das Kind zur Welt kommt, spricht es 100 Sprachen, nicht nur die gesprochene Sprache, sondern auch die Sprache des Körpers, des Malens, des Tanzens, des Singens, des Rollenspiels…. Der Erwachsene nimmt dem Kind im Laufe seines Lebens 99 Sprachen, so dass es nur noch eine, die verbale Sprache beherrscht. Ein Gedicht von Loris Malaguzzi, das im Folgenden zitiert wird, bringt dies zum Ausdruck. Da der erwachsene Mensch auf die Verbalsprache fixiert ist, wird sein Handeln und Denken „entsinnlicht“ (KRIEG, 2002), ein Teil seines Lebens entzogen. Pädagogik hat aber Raum vorzuhalten, der das Recht des Kindes, sich auf vielfältige Art auszudrücken, berücksichtigt. Dass Kinder auf ihre Art sehen, denken, handeln und sich äußern und dadurch eine eigene Kultur schaffen (KRIEG, 2002), das macht das Abenteuer der Kindheit aus!
Ziel der Reggiopädagogik ist, das Kind in seiner Eigenart ernst zu nehmen und ihm eine eigene Identität zuzugestehen. Das hat nichts damit zu tun, Kinder zu glorifizieren, sondern ihnen Liebe und Vertrauen entgegenzubringen und die nötige Portion Optimismus, dass das Kind seine Potentiale ausschöpft und verwirklicht. Kinder sollen ihre eigene Form des Ausdrucks finden.
Dass sie gefördert werden, wird in Reggio nicht als „Muss“ gesehen, sondern als Pflicht den Kindern gegenüber. Natürlicherweise will das Kind sich seine Umwelt erschließen, es bringt von sich aus Neugier und Wissensdurst mit. Die Motivation, verstehen zu wollen, bereitet dem Kind großes Vergnügen. Lernen ist lustbetont und wird erst mit der Zeit mühsam.
• Warum geht die Motivation am Lernen verloren?
• Wann hört sie auf?
Die Reggiopädagogik arbeitet daran, Lernprozesse so zu gestalten, dass Lernfreude sich zur grundlegenden Disposition entwickelt (ULLRICH & BROCKSCHNIEDER, 2003), die auch dann weiter besteht, wenn Lernen schwierig wird (in der Schule). Die Lösung liegt darin, Lernen nicht so zu sehen, dass vom Erwachsenen etwas Fertiges übernommen wird, sondern es selbst zu produzieren. Kinder werden als Entdecker gesehen. Der Erwachsene ist aufgefordert, Erfahrungen zu ermöglichen, bei denen das Kind eigenständig erforschen, hinterfragen, überprüfen kann. Visuelle, akustische und haptische Eindrücke in Verbindung mit der Möglichkeit zum aktiven Handeln erhöhen den Lerneffekt, weil verschiedene Erfahrungen vernetzt werden. Die Erkenntnisse der heutigen Hirnforschung belegen, dass sich Wissen besser einprägt, wenn verschiedene Sinne angesprochen werden.
Die Reggiopädagogik hat erkannt, dass das Kind Zeit braucht und ihm eingeräumt wird, sein eigenes Zeitgefühl zu erleben, es vertiefen können muss, um in voller Hingabe etwas zu tun. Genauso braucht das Kind Zeit zum Zögern oder Träumen, ohne dass der Erwachsene es drängt. Es wird darauf vertraut, dass das Kind eine individuelle Lösung für ein Problem finden wird. Das Kind wird zum Subjekt und ist nicht mehr Objekt der Erziehung (KRIEG, 2002).
Kinder brauchen den Erwachsenen und auch andere Kinder zum Dialog und zur Interaktion. Sie sollen das „Lernen lernen“ (ULLRICH & BROCKSCHNIEDER, 2003) um in ihrem kindlichen Wesen wachsen zu können und zu einem physischen und psychischen Wohlbefinden zu gelangen. Dieses Menschenbild ist faszinierend und revolutionär zugleich und unterscheidet die Reggiopädagogik grundlegend von anderen Ansätzen.
Die hundert Sprachen des Kindes
Die Hundert gibt es doch
Das Kind besteht aus Hundert.
Hat hundert Sprachen
hundert Hände
hundert Gedanken
hundert Weisen
zu denken, zu spielen und zu sprechen
Hundert -
immer hundert Arten
zu hören, zu staunen und zu lieben.
Hundert heitere Arten
zu singen, zu begreifen
hundert Welten zu entdecken
hundert Welten frei zu erfinden
hundert Welten zu träumen.
Das Kind hat hundert Sprachen
und hundert und hundert und hundert.
Neunundneunzig davon aber
werden ihm gestohlen
weil Schule und Kultur
ihm den Kopf vom Körper trennen.
Sie sagen ihm:
Ohne Hände zu denken
ohne Kopf zu schaffen
zuzuhören und nicht zu sprechen.
Ohne Heiterkeit zu verstehen,
zu lieben und zu staunen
nur an Ostern und Weihnachten.
Sie sagen ihm:
Die Welt zu entdecken
die schon entdeckt ist.
Neunundneunzig von hundert
werden ihm gestohlen.
Sie sagen ihm:
Spiel und Arbeit
Wirklichkeit und Phantasie
Wissenschaft und Imagination
Himmel und Erde
Vernunft und Traum
seien Sachen, die nicht zusammen passen.
Sie sagen ihm kurz und bündig,
dass es keine Hundert gäbe.
Das Kind aber sagt:
Und ob es die Hundert gibt.
Loris Malaguzzi
Gesundheitsverständnis – Ernährung, Bewegung, Sauna
Die Gesundheitserziehung nimmt eine zentrale Rolle in der frühkindlichen Bildung und Erziehung bei Reggio ein. Viele Krankheiten und Überempfindlichkeiten können mit Hilfe präventiver Maßnahmen verhindert werden. Viele Allergien und Stoffwechselstörungen entstehen aus einem Mangel an gesunder Ernährung und Bewegung. In unserem präventiven Ansatz arbeiten wir aktiv an der Erziehung zu gesunder Lebensweise. Dabei möchten wir die ganzheitliche Gesundheit in den Bereichen von Körper, Geist und Seele in allen täglichen Handlungen eines Tageslaufes integrieren. Da die körperliche, seelische sowie psychische Gesundheit miteinander in direkter Abhängigkeit zueinander stehen, werden sie auch in dem von den Erziehern vertretenen Gesundheitsverständnis immer gleichwertig vermittelt. Der bekannte Ausspruch „Nur in einem gesunden Körper, lebt auch ein gesunder Geist“, lässt sich auch in seiner Umkehr formulieren. „Nur mit einem gesunden Geist, lebt der Körper gesund.“
Ebenso wie wir in der Hygieneerziehung auf gesunde Körperpflege achten, soll auch eine gesunde Psychohygiene den Kindern vermittelt werden. Denn ähnlich wie der Schmutz haften negative Erlebnisse und Ärgernisse am Körper, unserer Seele oder Psyche an. Und so selbstverständlich wie unser Körper gereinigt und gepflegt wird, sollten wir für unser psychisches Wohlbefinden sorgen. Kinder sind auch im psychischen Bereich gewissen Anforderungen ausgesetzt. So erleben sie die ständig wachsende Geschwindigkeit der gesellschaftlichen Entwicklungen noch relativ ungeschützt, da sie sich die Fähigkeiten zur Anpassung erst aneignen. Moderne Familienverläufe sind nicht mehr so einfach oder linear wie früher zu beschreiben. Heutzutage ist der Anteil an alleinerziehenden Müttern und auch Vätern sowie an Patchwork-Familien größer denn je, Tendenz steigend. Damit sind heutige Kinder auch mit vielfältigen Bildern von Familie konfrontiert und demensprechend steigen die Erfordernisse an Orientierung und Selbstbehauptung.
Den sozialen Kompetenzen und dem Bild von Gesellschaft oder Familie gilt unser besonderes Interesse. Die Wahrnehmung von sozialen Zusammenhängen geschieht in der frühkindlichen Prägung oft unbewusst. Den Tonfall zwei kommunizierender Menschen nehmen Kleinkinder intuitiv wahr, ohne es vielleicht mit Worten wiedergeben zu können. Es entsteht ein emotionales Bild, welches das Wahrgenommene speichert. Dabei sehen wir die Aufgabe der Entwicklungsbegleitung darin, den Raum zu öffnen für die Entwicklung der emotionalen Intelligenz. Das heißt den Kindern Raum zu geben diese Eindrücke zu kommunizieren. Mit Hilfe der hundert Sprachen, bedeutet alle Signale der Kinder auf der Ebene von Mimik und Gestik aufzufangen und als emotional verlässliches Gegenüber zu agieren bzw. zu reagieren. Die Vielfalt des Ausdrucks in jeglicher Form der Kunst dient als Medium des Ausdrucks dieser Inhalte. Kinder erhalten die Möglichkeit mit Malen, Konstruieren, Bauen, Rollenspiel, Gesang und Bewegung sich auszudrücken und so, wichtige Klärungs- und Entwicklungsprozesse zu erleben.
Die Gestaltung des Außengeländes ist so konzipiert, dass die Kinder ein vielfältiges Bewegungsangebot erhalten. Der weitläufige Garten / Park bietet Möglichkeiten zum Klettern, Laufen, Ballspielen, Verstecken, Entdecken, Buddeln und zum Fahren mit dem Roller oder Dreirad. Weil gerade die aktive Bewegung sich eignet, Spannungen abzubauen und ein positives Körpererleben fördert, gibt es auch innerhalb der Räumlichkeiten einen offenen Bewegungsbereich. Hier finden im Morgenkreis und auch mit Einzelgruppen Angebote zur Bewegungsförderung statt. Die Art der Bewegungsspiele und Übungen wird in Zusammenarbeit mit den Kindern erarbeitet und damit nach ihrer Motivation ausgerichtet.
Als besonderes Angebot der Gesundheitsprävention können wir die im Haus befindliche Sauna nutzen. Dazu wird mit den Eltern und Kindern im Vorfeld informativ und motivierend gearbeitet. Die Inhalte der gesunden Lebensweise werden somit nicht nur im Kindergarten umgesetzt, sondern können in den Familien fortgeführt werden. Die stärkende Wirkung eines regelmäßigen Saunabesuches auf den Kreislauf und das Immunsystem ist ein zentraler Grundstein eines gesunden Körpers. Die kindgerechte Durchführung nach den Regeln des Saunierens wird von einer fachkundigen Körper- und Bewegungstherapeutin unterstützt. Die Freude an der aktiven Gesunderhaltung sowie die Erfahrung der Wärme und der Ruhephase bereichern die Kinder in ihrer körperlichen Erfahrungswelt.
Die gesunde Ernährung wird innerhalb der Frühstücks- und Vesperzeiten gemeinsam mit den Kindern praktiziert. Eine ausgewogene und gesunde Ernährung wird beispielhaft in dem täglichen Angebot von Gemüse und Obsttellern bereitgestellt. Dabei werden grundsätzlich keine dogmatischen Verbote von Süsswaren und dergleichen gemacht. Eher wird dem Kind ein Verständnis der Zusammenhänge einer gesunden Ernährung angeboten. Täglich wird in unserem Hause selbst gekocht, so können die Kinder auch hierbei helfen, beobachten und Anteil nehmen. In diesem Sinne wird Bewegung, Ernährung und Sauna als Erfahrungsraum zur Verfügung gestellt, die je nach Interessen und Motivation für jedes einzelne Kind einen Einblick in gesunde Lebensführung darstellen.
Die beratende und motivierende Elternarbeit zu diesen Inhalten runden unsere präventive Gesundheitsarbeit ab.


