Kindergarten in Emmeringen – eine Tradition
Der Kindergarten in Emmeringen hat eine 40- jährige Tradition. 1952 als „Erntekindergarten“ entstanden, diente er zur Betreuung von Kindern der Bauern des Ortes. Später wurde er verstaatlicht und auch räumlich umstrukturiert.
Anfänglich befanden sich in den Räumen noch ein kleiner Kinosaal und ein Jugendklub. Der Jugendklub etablierte sich später im Kellergeschoß neu. Der Rest des alten Springbrunnens auf der Parkseite wurde von den Kindern als Buddelkasten genutzt. Das Herrenhaus war ein zentraler Anlaufpunkt für Bewohner jeden Alters im Ort Emmeringen.
Im Hause fand eine Mütterberatung des Gesundheitsamtes statt und einmal in der Woche war ein Arzt in eigenen Räumen vor Ort, um die ärztliche Versorgung für die Einwohner zu gewährleisten. Es wurden auch viele Veranstaltungen verschiedener Vereine gestaltet, so zum Beispiel Tischtennis, Feuerwehrtreffen, Bürgerversammlungen und auch regelmäßige Treffen des demokratischen Frauenbundes Deutschland. Auch zur Tradition entwickelte sich, dass die Kindergartenleitung eine Wohnung in der oberen Etage bezog.
Die Leitung hatte erst Fr. Stottmeier, später Fr. Schmidt und schließlich Fr. Weinert inne. Frau Weinert, die heute auch noch im Ort gleich gegenüber des Herrenhauses, in dem die Räumlichkeiten vorgehalten werden, wohnt, erzählt gern über die schönste Zeit ihres beruflichen Lebens. So war es üblich, mit den Kindern alle interessanten Begebenheiten im Ort zu besuchen. Sie konnten beobachten, wie Ferkel geboren oder Schafe geschoren wurden. Ältere Menschen wurden zu ihrem Geburtstag besucht und mit einem Lied beschenkt. Oftmals kamen Eltern einfach etwas früher, um noch einige Zeit im Kindergarten zu verbringen, da dies schon immer ein geselliger Ort war.
Zu Festen und Feiern wurden auch gern alle Verwandten und Bewohner des Ortes eingeladen, zudem auch alles gemeinsam vorbereitet und gestaltet wurde. Die Kinder hatten schon damals viel Bewegung an frischer Luft im großen Park hinterm Schloss. Eine ganz besonders schöne Erinnerung hat Frau Weinert an die Kirscherntezeit. Dazu sind die Erzieher mit den Kindern auf den Pitzak (Emmersberg) gewandert. Dort haben sich die Kinder die Bäuche voll Kirschen geschlagen und füllten die Brottaschen, um den Kleineren, die nicht mitkamen, welche mitzubringen. Damals lebten auf dem Emmersberg noch Marta und Wilhelm Pitzak in einem ganz einfachen Steinhaus ohne Strom und fließend Wasser. Dort gab es für die Kinder selbst gemachte Limonade, an die man sich heute noch erinnert.
Der Kindergarten wurde „Hort“ für vier Generationen, die, nachdem sie selbst Kindergartenkinder im Schloss waren, später die eigenen Kinder, Enkelkinder gern „zu Haus“ wussten, wenn sie beruflich anderenorts tätig waren. 1992 mit der politischen Wende wurde diese kommunale Einrichtung geschlossen.


